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< EMW ist jetzt Grundversorger im Netzgebiet Mainhardt

10 Jahre emw-Erfolgsgeschichte

Montag, 19. August 2019

Als im Jahr 2008 die Stromkonzessionen in den Gemeinden Mainhardt und Wüstenrot ausliefen, haben sich die Gemeinden gegen den damals üblichen Trend gestellt. Einige Jahre zuvor hatte das Land Baden-Württemberg seine Anteile an der EnBW an die EDF verkauft und damit war indirekt der französische Staat Eigentümer des Stromnetzes in Mainhardt und Wüstenrot. Die beiden damaligen Bürgermeister, Herr Hedrich in Mainhardt und Herr Nägele in Wüstenrot, haben dann gemeinsam nach Lösungen gesucht, um dem Trend der Zentralisierung und dem Ausverkauf der lebenswichtigen Infrastrukturen entgegenzutreten. Sie wollten zukünftig Einfluss auf die Entwicklung der Stromversorgung in Ihren Gemeinden hin zu regionalen und dezentralen Strukturen nehmen.

 „Damals wurde ich von den Bürgermeisterkollegen belächelt und als Revoluzzer aus dem Mainhardter Wald bezeichnet“, so Karl-Heinz Hedrich heute. Mit den Stadtwerken Schwäbisch Hall, die in Mainhardt bereits die Gaskonzession hatten und wir auch gemeinsam über die Biberwasserversorgungsgruppe verbunden waren, konnte schnell ein Partner gefunden werden. Da Herr Nägele die Stadtwerke schon aus seiner Zeit beim Diak kannte, war schnell klar, dass dies die einzige Option ist, um nicht wieder einen 20-jährigen Konzessionsvertrag mit der EnBW abschließen zu müssen und sonst keinen weiteren Einfluss auf die Energieversorgung zu haben. Die Entscheidung in den beiden Gemeinderäten war zum damaligen Zeitpunkt nicht einfach und es bedurfte jeder Menge Überzeugungsarbeit, so die beiden Exbürgermeister heute unisono. „Es gab hierzu ja auch kein Beispiel aus anderen Kommunen mit ähnlicher Größenordnung, wir betraten hier absolut Neuland.“

Letztlich wurden mit den Stadtwerken Schwäbisch Hall die entsprechenden Gesellschaftsverträge abgeschlossen und die Energieversorgung Mainhardt Wüstenrot über Kreisgrenzen hinweg gegründet. Die Idee war, Einfluss auf die Infrastruktur in den Gemeinden zu haben, Mitbestimmungsrechte zu verankern und den Bürgerinnen und Bürgern regionalen Strom anzubieten und diese über ihre eigene Gesellschaft davon profitieren zu lassen. Auch die beiden Nachfolger, Bürgermeister Komor in Mainhardt und Bürgermeister Wolf in Wüstenrot, haben heute eine aktive Rolle bei der EMW als Aufsichtsratsvorsitzender bzw. Geschäftsführer. Beide haben diese Idee von damals aufgenommen und begleiten die EMW mit großer Unterstützung. In Mainhardt wurde das Stromnetz 2010 von der EnBW erworben, in Wüstenrot zwei Jahre später und das Netz an die Stadtwerke Schwäbisch Hall verpachtet.

Die Pachterlöse garantieren eine sehr gute Verzinsung des eingesetzten Eigenkapitals und sind auch Teil der bislang guten Erträge der EMW. Acht Jahre nach der Gründung hat die EMW auch den Grundversorgerstatus in Mainhardt erreicht, was bedeutet, dass die meisten Kunden von der EMW beliefert werden. In Wüstenrot ist man kurz davor. Im Jahr 2021 wird erneut der Grundversorgerstatus festgestellt, bis dahin hoffen die Verantwortlichen, dass man auch in Wüstenrot die Mehrheit der Kunden beliefern wird. Aber nicht nur das Thema Strom steht auf der Agenda, sondern insbesondere auch die dezentrale Energieerzeugung und die Wärmeversorgung. Seit Gründung der EMW sind in Mainhardt sechs Blockheizkraftwerke installiert worden und zwei größere Fotovoltaikanlagen. Die Blockheizkraftwerke speisen zum Teil auch vor Ort aufgebaute Nahwärmenetze, die wiederum verschiedene Gebäude versorgen. Der Aufbau dieser Nahwärmeinseln ist Basis für die einmalige Chance, den schlagkräftigen Mainhardter Waldbauverein mit in die Energieversorgung zu integrieren. Man steht kurz vor Abschluss einer Vereinbarung zwischen der EMW und dem Waldbauverein, dass aus einem vom Waldbauverein neu zu errichtenden Hackschnitzelwerk Wärme bezogen wird und Wärmeinseln miteinander verbunden werden können. „Dass wir ein solches Projekt, das mir sehr am Herzen lag, innerhalb von 10 Jahren hinbekommen haben, ist sicherlich nur der Gründung der EMW zu verdanken“, so Bürgermeister Komor heute stolz.

Auch in Wüstenrot entsteht aktuell ein zentrales Nahwärmenetz mit einer Hackschnitzelanlage, um Schule, kommunale Gebäude, Gewerbebetriebe und Wohngebäude mit Wärme zu versorgen.

Die Erträge, die aus der reinen Stromlieferung erwirtschaftet werden, fließen fast komplett wieder zurück an die Vereine in Form von Sponsoring, Unterstützung von kulturellen Veranstaltungen oder auch Förderung von sozialen Projekten sowie an die Gewerbebetriebe vor Ort. Die regionale Wertschöpfung des Netzbetriebes durch die Stadtwerke, durch die Wärmeversorgung mit den Vor-Ort-Partnern und der Unterstützung der Vereine und sonstiger Einrichtungen ist damit optimal.

Bis heute hat die EMW darüber hinaus noch ca. 1,2 Mio. € erwirtschaftet und zahlt natürlich auch entsprechend Gewerbesteuer in den Kommunen und erhält die volle Konzessionsabgabe. Der Gewinn soll auch für weitere zukünftige regionale Projekte eingesetzt werden.

Zum 10-jährigen Bestehen wurden die Bürgerinnen und Bürger, die Kunden der EMW, sowohl in das Freibad in Wüstenrot als auch in das Freibad in Mainhardt eingeladen und feierten gemeinsam mit den damaligen Gründern und den heutigen Entscheidungsträgern diese Erfolgsgeschichte.